Das Google Business Profil ist die digitale Visitenkarte, die 90 Prozent der Patient:innen einer Wahlarztordination zuerst sehen — lange bevor sie die eigentliche Website öffnen. Es entscheidet, ob die Ordination im lokalen Map-Pack auf Platz 3 oder Platz 13 steht, ob Patient:innen den Anruf-Button drücken oder weiterscrollen, und ob die ersten zwei Sätze Vertrauen aufbauen oder Distanz schaffen. Es hat 23 wesentliche Felder. Die meisten Ordinationen füllen davon 8 bis 12 — und davon mehrere falsch.
Felder gesamt
23 wesentliche
Setup-Zeit richtig
3 Stunden einmalig
Pflege pro Monat
30 Minuten
Die fünf hochwirksamen Felder
Diese fünf Felder erscheinen direkt im Suchergebnis und entscheiden den ersten Eindruck. Wer hier slampig ist, verliert Patient:innen, bevor irgendetwas anderes greift.
- Name des Unternehmens. Genaue Praxisbezeichnung, wie sie auf dem Impressum steht. Keine Keyword-Stuffing-Tricks wie „Dr. Müller — Wahlarzt Wien Innere Medizin Top-Spezialist" — Google bestraft das, Patient:innen finden es seltsam.
- Kategorie (primär). Die wichtigste Ranking-Variable. Nicht „Arzt", sondern die spezifische Facharztkategorie („Innere Medizin", „Hautarzt", „Allgemeinmediziner"). Eine Sekundärkategorie ergänzen („Privatarzt" oder „Spezialist:in").
- Telefonnummer. Wiener Ordinationsnummer mit +43-Format. Nicht die Handynummer der Ärzt:in. Die Erreichbarkeit muss konsistent sein zu allen anderen Verzeichnissen — Inkonsistenz schadet dem Ranking.
- Adresse. Exakt wie auf dem Mietvertrag, ohne Abkürzungen. „Marchettigasse 1/2+3" und nicht „Marchettig. 1". Stiege und Tür dazu, wenn relevant für die Patientenwege.
- Öffnungszeiten. Inklusive Sonderöffnungszeiten, Mittagspause, Urlaubszeiten. Eine Ordination, die laut Google geöffnet ist und ans Telefon nicht abnimmt, sammelt schlechte Bewertungen.
Die acht unterschätzten Felder
Diese acht Felder werden im Standard-Setup oft leer gelassen. Jedes einzelne verbessert Ranking, Conversion oder beides.
- Beschreibung des Unternehmens — 750 Zeichen, einmalig formuliert. Hier kommen die Schlüsselwörter „Wahlarzt", die Spezialisierung, die Sprachen — ohne Marketing-Phrasen
- Dienstleistungen — strukturierte Liste der angebotenen Leistungen mit jeweils 250 Zeichen Beschreibung. Erscheint im Suchergebnis und im Profil-Tab
- Sprachen — wichtig in Wien wegen multilingualer Patient:innen-Bevölkerung. Mindestens Deutsch und Englisch, oft auch BKS, Türkisch
- Zahlungsmethoden — Bargeld, Bankomat, Kreditkarte, Überweisung. Wahlärzt:innen, die nur Bargeld nehmen, sollten das transparent machen
- Termine erforderlich — auf „Ja" setzen, mit Link zur Online-Terminbuchung
- Barrierefreiheit — Rollstuhlzugang, behindertengerechte Toilette, Hörgerät-Kompatibilität
- Buchungslink — direkter Link zur Online-Terminbuchung, erscheint als Button im Profil
- Highlights — kleine Tags wie „Online-Terminbuchung", „Eigene Räumlichkeiten", „Familienfreundlich" — wenn sie zur Praxis passen
Die zehn Fallen, in denen 90 % der Ordinationen landen
Diese Fehler sind häufig, leicht zu korrigieren und kosten messbar Sichtbarkeit oder Conversion.
- Mehrere Kategorien-Spielereien. Wer fünf Kategorien anlegt, in denen die Praxis nicht primär tätig ist, verwässert das Ranking. Maximal eine Primärkategorie plus eine bis zwei Sekundär-.
- Telefonnummer in mehreren Verzeichnissen unterschiedlich. Inkonsistenz zwischen GBP, DocFinder, eigener Website, Jameda — Google interpretiert das als Unsicherheit über die Identität.
- Fotos vom Stock-Foto-Anbieter. Patient:innen erkennen das. Eigene Fotos der Ordination, des Wartebereichs, der Ärzt:in. Mindestens 8, idealerweise 15.
- Keine Beiträge. Google Business Posts (kleine Updates wie „Neue Vorsorgeleistung", „Sommerferien-Schließung") halten das Profil aktiv und verbessern lokales Ranking. Einmal pro Monat reicht.
- Antworten auf Bewertungen fehlen. Sowohl auf positive als auch auf negative Bewertungen sollte geantwortet werden — Antwortrate ist ein Ranking-Faktor.
- „Vorübergehend geschlossen" oder „dauerhaft geschlossen" nach Urlaub vergessen. Klingt trivial, kommt häufig vor — Patient:innen finden „dauerhaft geschlossen" und gehen woanders hin.
- Falsche Beschreibung. „Wir bieten Ihnen modernste Diagnostik in angenehmer Atmosphäre" — Marketing-Geschwätz, das nicht rankt. Konkrete Schlüsselwörter („Wahlärztin für Innere Medizin in 1010 Wien, Schwerpunkt kardiovaskuläre Prävention").
- Unverknüpfte Website-URL. Die Website-URL muss vollständig sein (https, mit Trailing-Slash, auf die Ordinations-Homepage zeigend) — nicht auf die Subseite einer Bewerbungsplattform.
- Wahlarzt-Status nicht klar. Patient:innen müssen im ersten Suchergebnis erkennen, ob es sich um eine Wahl- oder Kassenpraxis handelt. Wenn das nicht klar ist, kommen verärgerte Anrufe.
- Keine regelmäßige Pflege. Ein einmal eingerichtetes Profil veraltet. Monatliche Pflege (neue Fotos, Reaktion auf Bewertungen, Posts) ist Standard.
Wahlarzt-spezifische Quirks der Kategorie-Auswahl
Google bietet in Österreich keine spezifische Kategorie „Wahlarzt” — die Unterscheidung Kassen- vs. Wahlarzt ist im GBP-System nicht abgebildet. Die korrekte Strategie:
Kategorie-Setup für Wahlärzt:innen
Primärkategorie: die genaue Fachrichtung („Internist", „Dermatologe", „Allgemeinmediziner"). Sekundärkategorie wenn passend: „Spezialklinik" oder „Privatarzt" (englisch: „Specialty Clinic" / „Private Practice"). Der Wahlarzt-Status wird im Beschreibungs-Feld und in den Highlights gesetzt — nicht in der Kategorie. So bleibt die Praxis in allen relevanten lokalen Suchen sichtbar (auch wenn die Patientin nicht „Wahlarzt" eingibt) und der Status ist trotzdem klar erkennbar.
Bewertungen — der entscheidende Multiplikator
Das GBP-Ranking wird maßgeblich von Anzahl, Aktualität und Qualität der Bewertungen beeinflusst. Eine Ordination mit 8 Bewertungen rankt strukturell schlechter als eine mit 38 — selbst wenn der Durchschnitt höher ist. Aktive Bewertungssammlung ist also nicht optional, sondern Teil des Setups. Das Werberecht-konforme Vorgehen ist in einem separaten Beitrag beschrieben — Kurzfassung: ja, aktive Bitte um Bewertungen ist erlaubt; nein, keine Gegenleistung; ja, alle Bewertungen sollten beantwortet werden, auch die schlechten.
Wie oft wird sich das wirklich auszahlen
Eine vollständig und korrekt aufgesetzte Wahlarzt-GBP-Präsenz rankt im lokalen Map-Pack der Top-3 für die Hauptkeywords der Praxis innerhalb von 3 bis 6 Monaten. Eine schlampige Präsenz rankt nie. Der Unterschied im Patient:innen-Strom ist messbar zweistellig pro Monat — typischerweise 3 bis 12 zusätzliche Anrufe pro Monat aus der lokalen Google-Suche, allein durch korrekte Setup-Hygiene.
Das ist ein höherer Hebel als jede Anzeigenkampagne in den ersten zwei Jahren einer neuen Wahlordination — und kostet, abgesehen von drei Stunden Setup und 30 Minuten monatlicher Pflege, nichts.
Lokale Sichtbarkeit für Wahlärzt:innen beginnt beim Google Business Profil — geht aber weit darüber hinaus: DocFinder, Apple Maps, Bing Places, lokale Verzeichnisse. Das ist die Disziplin, die wir bei ordipro übernehmen.
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